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Oratorium „MANASSE“, Werk für Soli, Chor und Orchester, Tonhalle Maag Zürich

Samstag, 23.06.2018

Foto: Werner Rudolf

 

Friedrich Hegar geboren in Basel, erhielt seine erste musikalische Ausbildung in den Fächern Violine, Musiktheorie und Komposition. Ende der 1850er Jahre nahm er ein Studium der Komposition am Leipziger Konservatorium auf. Nach dessen Abschluss im Jahre 1860 war er als Dirigent in Warschau tätig, um ein Jahr später ins elsässische Gebweiler zu wechseln, wo er unter Julius Stockhausen stellvertretender Kapellmeister wurde.

Theodor Kirchner holte den damals 21 Jährigen Hegar ans Dirigentenpult des „Orchestervereins“. nach Zürich. 1865 übertrug Kirchner ihm die Leitung des Orchesters und im gleichen Jahr übernahm er auch die Leitung des Gemischten Chor Zürich. Gleichzeitig engagierte er sich in der Allgemeinen Musik-Gesellschaft (AMG). Bis 1914 leitete Friedrich Hegar das Konservatorium Zürich, dessen Gründung auf seine Initiative zurückging. Er verstarb 1927 in Zürich und wurde auf dem Friedhof Fluntern beigesetzt.

Friedrich Hegar hatte in der zweiten Hälfte des 19.  sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen prägenden Einfluss auf die Musikentwicklung in Zürich und der ganzen Schweiz. Als Dirigent des Tonhallenvereins führte er dessen Orchester zu internationalem Ansehen. Als Direktor des Zürcher Konservatoriums war er ständig bestrebt, die Ausbildung junger Musiker zu verbessern. Als Chorleiter arbeitete er an der Entwicklung des Männergesangs und gilt als Begründer der Männerchorballade. Sein kompositorisches Schaffen umfasst hauptsächlich Lieder, Werke für Chöre sowie Instrumentalkompositionen. Unter seiner Ägide fanden mehrere Zürcher Musikfeste und 1900 das erste Schweizerische Tonkünstlerfest statt.

Das Oratorium „Manasse“ und sein Libretto

Joseph Viktor Widmann (1842 – 1911) war ein begabter und zu seiner Zeit berühmter Schriftsteller, im bürgerlichen Beruf Feuilletonredaktor beim  Berner „Bund». Er entnahm den Stoff zum Oratorium „Manasse“, das er für seinen Freund Hegar schreiben wollte, aus dem Alten Testament der Bibel (Esra Kap. 9-10).

In der babylonischen Gefangenschaft, in den 70 Jahren nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels, hatten die Juden fremde Götterkulte übernommen und heidnische Frauen geheiratet. Nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft war der Priester und Schriftgelehrte Esra Anführer einer Gegenbewegung,  die das Volk Israels von den schlechten Einflüssen reinigen wollte. Er verlangte, dass die Israeliten ihre heidnischen  Frauen und Kinder verstossen sollten, was tatsächlich stattfand – siehe Namensliste der Ausgestossenen in Esra Kap.10 Verse 18-44. Zwei Sippenälteste namens Manasse sind dort eingetragen. Im Buch Nehemia (Kap. 12), noch während der Amtszeit Esras als Hohepriester, wird die neuerbaute Stadtmauer Jerusalems eingeweiht.

Aus diesen wenigen historischen Motiven hat Widmann in seiner Phantasie eine Geschichte ersonnen, in der Manasse sich weigert, seine Frau zu verstossen, worauf er von den Priestern verflucht und von den aufgehetzten Volksgenossen mit seinen Anhängern ins Exil geschickt wird. Widmann stellt den Ablauf dramatisch dar. Nichts bleibt im Dunkeln, nichts ist überflüssig. Die Zustände und Personen sind scharf gezeichnet. Die entscheidenden Wendungen passieren auf dem Podium. Das Werk wäre ohne weiteres szenisch auf der Bühne darzustellen. Widmans Libretto, geschrieben um 1880, war ein geradezu prophetisches Werk, das auf die Folgen von Rassenwahn und unmenschlicher Rassengesetze vorauszeigte. Manasse unterwirft sich der Forderung der Obrigkeit nicht, sondern zieht mit seiner Frau und mit Gleichgesinnten in die Verbannung, um mit Mut und Zuversicht ein neues Leben aufzubauen. Widmanns und Hegars Werk ist ein Familien- und Staatsdrama um Israel, in dem ein Einzelner (Manasse, Sohn des Hohepriester Esra) mit seiner Anhängerschaft unrechtmässigen und rassistischen Gesetzen widersteht. Am Ende siegt die Liebe, die Weisheit des Herzens und das Recht auf Religionsfreiheit…

 

Musikalische Leitung: Anna Jelmorini (Foto: Desiree Good)

 

Weitere Informationen finden Sie hier:

Kammerchor Zürcher Unterland

Männerchor Zürich

Uhrzeit: 19:30 bis 21:30 Uhr
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Männerchor Zürich, Gründungschor der Tonhalle Zürich
Zürcher Symphoniker
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